Ratgeber · Budget

Was kostet ein Website-Relaunch? Preisspannen mit Herleitung

Warum „ab 5.000 Euro" keine Antwort ist, und wie sich ein Relaunch-Budget aus Tagessätzen, Gewerken und Seitenzahl tatsächlich zusammensetzt.

Aktualisiert am 01.07.202612 Minuten LesezeitKein Login, kein Download-Zwang

Die Frage „Was kostet ein Website-Relaunch?" ist so präzise beantwortbar wie „Was kostet ein Haus?": nämlich gar nicht, solange niemand die Menge kennt. Beantwortbar ist dagegen, wie sich ein Budget zusammensetzt und welche Größenordnung zu welchem Vorhaben gehört.

Warum „ab 5.000 €" nichts aussagt

Ab-Preise beschreiben den günstigsten denkbaren Fall: wenige Seiten, Standardvorlage, übernommene Inhalte, keine Anbindung, eine Korrekturschleife. Sobald eines dieser Merkmale nicht zutrifft, und in Unternehmensprojekten trifft praktisch nie eines zu, ist der Ab-Preis irrelevant.

Für Sie ist der Ab-Preis sogar schädlich, weil er die Erwartung im Haus setzt. Wenn die Geschäftsführung „ab 5.000" gelesen hat und das reale Angebot bei 34.000 liegt, müssen Sie eine Differenz erklären, die nie eine war.

Der belastbare Weg führt über das Mengengerüst: Wie viele Seiten, wie viele Seitentypen, wie viele Sprachen, wie viele Schnittstellen, wie viel neuer Text. Erst danach lässt sich rechnen.

Wie ein Budget hergeleitet wird

Jedes seriöse Angebot lässt sich auf dieselbe Rechnung zurückführen: Aufwand je Gewerk mal Tagessatz, plus Risikozuschlag, plus Betrieb. Alles andere ist Verhandlung, nicht Kalkulation.

  1. Mengengerüst. Seitenanzahl, Seitentypen (Startseite, Leistungsseite, Newsdetail, Landingpage …), Sprachen, Formulare, Integrationen. Ein Seitentyp kostet Aufwand, eine weitere Seite desselben Typs fast keinen. Das ist der wichtigste Hebel im Zuschnitt.
  2. Aufwand je Gewerk. Konzept, Design, Frontend, CMS/Backend, Content, Qualitätssicherung, Migration. Jedes Gewerk wird in Personentagen geschätzt.
  3. Tagessätze. Sie unterscheiden sich erheblich, je nachdem wer arbeitet: Freelancer, Boutique-Studio, mittelständische Agentur, Konzerndienstleister. Der Unterschied zwischen der günstigsten und der teuersten Variante beträgt regelmäßig den Faktor drei, bei vergleichbarem Ergebnis für Standardanforderungen.
  4. Risikozuschlag. Unklare Anforderungen, Altsysteme ohne Dokumentation, Abhängigkeiten von Dritten. Erfahrene Anbieter kalkulieren 10 bis 20 Prozent; wer keinen Zuschlag einrechnet, holt ihn sich später über Change Requests.
  5. Betrieb. Hosting, Wartung, Updates, Support, kleine Weiterentwicklungen. Gehört ins Budget, auch wenn es nicht in die Projektsumme gehört.

Spannen nach Projektgröße

Die folgenden Spannen beschreiben den deutschsprachigen Mittelstandsmarkt für Unternehmenswebsites ohne Shop. Sie sind Erfahrungswerte aus Angebotsvergleichen, keine Statistik, und sie verschieben sich je nach Region und Anbietertyp deutlich.

VorhabenTypisches MengengerüstUmsetzungsbudgetDauer
Kleine Unternehmenswebsitebis 20 Seiten, 3 Seitentypen, keine Anbindung8.000 – 20.000 €6–10 Wochen
Mittlere Unternehmenswebsite20–60 Seiten, 5–7 Seitentypen, Formular- und Newsletteranbindung20.000 – 45.000 €3–5 Monate
Mittelstand mit Anbindungen60–200 Seiten, CRM/ERP, zwei Sprachen, Redaktionsrollen45.000 – 110.000 €5–9 Monate
Komplexer Auftrittüber 200 Seiten, mehrsprachig, Portalfunktionen, Konzernvorgaben110.000 – 300.000 €9–18 Monate

Auffällig ist der Sprung zwischen Zeile zwei und drei. Er entsteht fast nie durch Design, sondern durch Schnittstellen, Rechte- und Rollenkonzepte, Mehrsprachigkeit und den Testaufwand, der daraus folgt.

Aufwand je Gewerk

Eine grobe Verteilung für ein mittleres Projekt, die beim Prüfen von Angeboten hilft. Wenn ein Angebot stark abweicht, ist das kein Fehler, aber eine Frage wert.

GewerkAnteilWas darin steckt
Konzept & Anforderungen10–15 %Workshops, Informationsarchitektur, Lastenheft, Abnahmekriterien
Design15–25 %Gestaltungskonzept, Seitentypen, Designsystem, Korrekturschleifen
Frontend20–30 %Umsetzung der Seitentypen, Responsivität, Performance, Barrierefreiheit
CMS & Backend15–25 %Redaktionsoberfläche, Rechte, Schnittstellen, Datenmigration
Content10–20 %Übernahme, Überarbeitung, Pflege, Bildaufbereitung
QA & Migration8–12 %Tests, Redirect-Konzept, Go-Live, Nachlauf

Wenn Konzept und QA zusammen unter 15 Prozent liegen, ist das ein Warnsignal: Beides wird dann faktisch beim Kunden abgeladen oder gar nicht gemacht.

Die fünf größten Kostentreiber

1 · Schnittstellen

Jede Anbindung an CRM, ERP, PIM oder ein Bewerberportal ist ein eigenes kleines Projekt mit eigener Fehlerquelle. Fünf bis fünfzehn Personentage pro System sind normal, wenn eine dokumentierte Schnittstelle existiert. Existiert keine, wird es deutlich teurer, und die Verantwortung liegt teilweise bei einem Dienstleister, den Sie nicht steuern.

2 · Content

Der Posten, der am zuverlässigsten unterschätzt wird, weil er intern „nebenher" laufen soll. Eine überarbeitete Seite kostet realistisch eine bis drei Stunden, eine neu geschriebene Fachseite einen halben bis ganzen Tag. Bei 60 Seiten ist das ein Projekt für sich.

3 · Mehrsprachigkeit

Die zweite Sprache kostet nicht doppelt, aber deutlich mehr als erwartet: Übersetzungs- workflow, Redaktionsrechte, Sprachumschaltung, hreflang, Testaufwand und dauerhaft doppelte Pflege.

4 · Individualität im Design

Ein Designsystem mit sieben Seitentypen ist kalkulierbar. Zwanzig individuell gestaltete Seiten sind es nicht. Der Unterschied im Endergebnis ist für Besucher meist kleiner als der Unterschied im Preis.

5 · Freigabeschleifen

Jede zusätzliche Abstimmungsrunde kostet Zeit auf beiden Seiten. Angebote kalkulieren typischerweise zwei Schleifen je Artefakt. Wer im Haus fünf Meinungen einholt, zahlt die Differenz oder verliert Termine.

Der vergessene Posten: Betrieb

Über drei Jahre erreichen Betriebskosten regelmäßig 30 bis 50 Prozent der ursprünglichen Projektsumme. Wer sie im Vergleich nicht mitrechnet, wählt womöglich das günstigere Angebot mit den teureren Folgejahren.

  • Hosting und Zertifikate, je nach Anspruch 30 bis 400 € im Monat
  • Wartung, Updates und Sicherheits-Patches, meist als Pauschale oder Kontingent
  • Lizenzen für CMS-Erweiterungen, Schriften, Bilder, Suchfunktionen
  • Support und kleine Änderungen, häufig unterschätzt und selten pauschal abgedeckt
  • Weiterentwicklung, denn eine Website ist nach dem Launch nicht fertig, sondern jung

Fragen Sie in jedem Angebot nach den Betriebskosten für drei Jahre. Anbieter, die dazu keine Aussage machen wollen, sagen damit auch etwas.

Wo sich sinnvoll sparen lässt

Sparen an Konzept und Qualitätssicherung ist die teuerste Variante. Diese Hebel wirken dagegen ohne Folgeschaden:

  • Seitentypen reduzieren. Fünf statt zehn Seitentypen sparen zweistellige Prozentbeträge und fallen im Ergebnis kaum auf.
  • Content-Bestand kürzen. In fast jeder gewachsenen Website lassen sich 30 bis 60 Prozent der Seiten zusammenführen oder löschen. Das spart Umsetzung, Pflege und Migrationsaufwand gleichzeitig.
  • Ausbaustufen planen. Kernseiten zum Termin, Ausbau danach. Reduziert Risiko und verteilt Ausgaben.
  • Anbietertyp passend wählen. Für einen Standard-Auftritt ist eine Konzernagentur die falsche Adresse, und umgekehrt.
  • Intern zuliefern, aber verbindlich. Selbst geschriebene Texte sparen Geld, wenn sie termingerecht kommen. Sonst kosten sie mehr, als sie sparen.

Angebote richtig lesen

Diese sechs Prüfungen finden die meisten späteren Nachforderungen im Voraus:

  • Sind Personentage je Gewerk ausgewiesen oder nur Pauschalen?
  • Wie viele Korrekturschleifen sind enthalten, und was kostet die nächste?
  • Steht die Migration inklusive Weiterleitungen im Leistungsumfang?
  • Welche Annahmen macht das Angebot über Ihre Zulieferungen?
  • Sind die Rechte am Code und an Designdateien übertragen?
  • Was kostet der Betrieb in den Jahren eins bis drei?

Vergleichbar werden Angebote nur, wenn alle Anbieter dasselbe Dokument bekommen haben. Wie das geht, steht in Lastenheft Website-Relaunch und Relaunch-Agentur auswählen. Was Ihr Vorhaben realistisch kostet, ordnen wir im Erstgespräch ein, mit Herleitung und vor jedem Angebot.

Fragen zu Ihrem konkreten Fall?

Dieser Ratgeber beschreibt den allgemeinen Fall. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns Ihre Seite an und sagen, welche der Punkte für Sie tatsächlich kritisch sind.