Ratgeber · Zeitplan

Wie lange dauert ein Website-Relaunch? Realistische Zeitpläne

Von 6 Wochen bis 14 Monate, und warum der häufigste Verzögerungsgrund nicht die Technik ist, sondern Ihre eigenen Freigabeprozesse.

Aktualisiert am 20.06.202610 Minuten LesezeitKein Login, kein Download-Zwang

Relaunches dauern fast immer länger als geplant, aber selten aus den Gründen, die vorher befürchtet wurden. Die Technik ist berechenbar. Freigaben und Inhalte sind es nicht.

Dauer nach Projektgröße

Zeitraum von Projektstart bis Go-Live, ohne die Vorlaufzeit für interne Entscheidung und Budgetfreigabe. Die dauert im Mittelstand oft noch einmal zwei bis vier Monate.

VorhabenRealistische DauerUntergrenze bei idealen Bedingungen
Kleine Unternehmenswebsite, Inhalte übernommen6–10 Wochen4 Wochen
Mittlere Website, teilweise neue Inhalte3–5 Monate10 Wochen
Mittelstand mit Anbindungen, zwei Sprachen5–9 Monate4 Monate
Komplexer Auftritt, mehrsprachig, Portalfunktionen9–18 Monate8 Monate

„Ideale Bedingungen" heißt: Anforderungen liegen vor, eine Person entscheidet, Inhalte sind vorhanden, Zulieferungen kommen termingerecht, keine Abhängigkeit von Dritten. Diese Kombination tritt selten ein, deshalb ist die Untergrenze eine Rechengröße, keine Planung.

Wie sich die Zeit verteilt

Typische Verteilung eines mittleren Projekts über fünf Monate:

PhaseAnteilWas die Dauer bestimmt
Analyse10–15 %Verfügbarkeit von Gesprächspartnern und Zugängen
Konzeption20–25 %Anzahl der Abstimmungsrunden bis zur Freigabe
Design15–20 %Korrekturschleifen und Zahl der Entscheider
Umsetzung25–30 %Seitentypen und Integrationen, gut planbar
Content-Einpflege10–15 %Verfügbarkeit fertiger Inhalte, der häufigste Engpass
Test und Go-Live8–12 %Zahl der gefundenen Mängel und Nachbesserungsrunden

Bemerkenswert ist, dass nur ein Viertel bis ein Drittel der Zeit auf die eigentliche Umsetzung entfällt, und ausgerechnet dieser Teil ist am besten planbar. Der Rest hängt an Entscheidungen und Zulieferungen auf Auftraggeberseite.

Die fünf echten Verzögerungsgründe

1 · Fehlende Inhalte

Der mit Abstand häufigste Grund. Texte sollen „intern" entstehen, aber niemand hat dafür Zeit reserviert. Eine überarbeitete Seite kostet ein bis drei Stunden, eine neu geschriebene Fachseite bis zu einem Tag. Bei 40 Seiten ist das ein eigenes Projekt.

2 · Freigabeschleifen

Jede Runde kostet zwischen drei Tagen und drei Wochen, je nachdem wie viele Personen beteiligt sind und wie voll deren Kalender ist. Zwei Schleifen sind eingeplant; fünf sind keine Seltenheit.

3 · Nachträglich erweiterter Umfang

„Wenn wir schon dabei sind" ist der teuerste Satz im Projekt. Jede Erweiterung verschiebt nicht nur die eigene Umsetzung, sondern auch alle nachgelagerten Abhängigkeiten.

4 · Abhängigkeiten von Dritten

Der ERP-Dienstleister, die IT-Abteilung, der Hoster, der Übersetzungsdienst. Diese Termine steuert weder Sie noch Ihre Agentur, sie müssen deshalb früh angefragt und mit Puffer eingeplant werden.

5 · Urlaubs- und Feiertagszeiten

Kein Fehler, aber ein Planungsversäumnis. Juli/August und die Zeit zwischen Weihnachten und Anfang Jänner kosten in fast jedem Projekt zwei bis vier effektive Wochen.

Was tatsächlich beschleunigt

  • Eine Person entscheidet. Der größte Einzelhebel. Projekte mit einer entscheidungsbefugten Person laufen typischerweise 30 bis 40 Prozent schneller als solche mit Gremienfreigabe.
  • Inhalte vor Umsetzungsstart. Wenn beim Start der Umsetzung 80 Prozent der Texte final vorliegen, entfällt der häufigste Verzugsgrund.
  • Weniger Seitentypen. Fünf statt zehn Seitentypen verkürzen Design und Umsetzung deutlich, ohne dass das Ergebnis ärmer wirkt.
  • Freigabefristen im Vertrag. „Fünf Werktage je Meilenstein" macht Verzug sichtbar und zuordenbar, statt ihn stillschweigend anwachsen zu lassen.
  • Ausbaustufen. Kernseiten zum Termin, Ausbau danach. Reduziert Risiko und verkürzt die kritische Strecke.

Nicht beschleunigend wirkt: mehr Entwickler auf dasselbe Projekt setzen. In den Phasen, die tatsächlich lange dauern, hilft zusätzliche Umsetzungskapazität nicht.

Wenn der Termin feststeht

Messe, Jubiläum, Vertragsende beim Hoster: Manchmal ist das Datum nicht verhandelbar. Dann muss der Umfang die variable Größe sein, und das gehört zu Projektbeginn ausgesprochen, nicht sechs Wochen vorher.

  • Kernumfang definieren, der zum Termin live geht (meist 60–70 % des Wunschumfangs)
  • Alles Weitere ausdrücklich als Ausbaustufe nach dem Launch einplanen
  • Rückwärts terminieren, inklusive vier Wochen Puffer vor dem Termin
  • Zuliefertermine für Inhalte kalendarisch fixieren, nicht „so früh wie möglich"
  • Abbruchkriterium festlegen: Was passiert, wenn vier Wochen vorher X nicht fertig ist?

Der Puffer ist entscheidend. Ein Go-Live am Tag vor der Messe ist kein Plan, sondern eine Wette. Weiterleitungsfehler und Zustellprobleme bei Formularen zeigen sich erfahrungsgemäß in den ersten 48 Stunden nach der Umschaltung.

Faustregeln für die Planung

  1. Auf die geschätzte Umsetzungsdauer 30 Prozent Puffer aufschlagen.
  2. Je zusätzlicher Entscheidungsebene zwei Wochen einplanen.
  3. Je Sprache 15 bis 25 Prozent Aufschlag auf Content und Test.
  4. Je Systemanbindung zwei bis vier Wochen Vorlauf für Abstimmung mit Dritten.
  5. Vier Wochen zwischen letzter Abnahme und hartem Termin freihalten.
  6. Urlaubszeiten explizit aus dem Plan herausrechnen, nicht mitteln.

Wie sich die Dauer auf das Budget auswirkt, steht im Kostenratgeber. Wenn es schnell gehen soll und der Umfang überschaubar ist, wird die Umsetzung mit einem kleinen Team aus dem Netzwerk besetzt, acht bis zwölf Wochen, zum Festpreis.

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